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Tadsch Mahal
Plan Tadsch Mahal

Kulturgeschichte

 

1.5. Persisch-islamische Gärten

Das konstante Strukturprinzip des islamischen Gartens ist das Gartenkreuz, wobei die vier Sektionen durch Wasserläufe voneinander getrennt sind. Dieser Gartentyp wurde im vorislamischen alten Persien entwickelt und später von arabischen Eroberern übernommen und weiterentwickelt. „Der Name für dieses Grundmuster lautet chahar bagh (chahar bedeutet „vier“, bagh „Garten“). Den Schnittpunkt der vier Wasserläufe markiert ein Teich, Mausoleum oder Pavillon“ (Hobhouse 2002, S. 60).

(Abb. 11: Crucero)

Das alles beherrschende Element des arabischen Gartens ist das Wasser, denn es bedeutet in den oft wüstenkargen Regionen Arabiens den größten Reichtum. Es gibt viele Brunnenbecken und Bassins mit runder Grundform, die durch Kanäle und Rinnen miteinander verbunden sind. Statt wie im Westen üblich unterirdische Wasserleitungen zu legen, wird das Wasser in muslimischen Gärten in offenen Rinnen geführt, die häufig mit farbigen Mosaiken geschmückt sind (vgl. Bazin 1990, S. 31).

Im herrschaftlichen Palastgarten ist die Allgegenwart des Wassers besonders ausgeprägt. Wasser ist auch im Haus selber in kunstvollen Brunnenbecken und Kanälen präsent. „Das Wasser fließt in den Palast hinein und aus ihm hinaus, fast immer sichtbar ” (ebd.).

Die von Mauern gänzlich vor der Außenwelt verborgenen Hofgärten wurden zu Zeiten der Sultane als Harems bezeichnet. Es gibt verschiedene Typen des Harems, so ist z.B. auch ein Friedhof ein Harem (vgl. Karahasan 2002, S. 63). Gemeinsam ist diesen abgeschlossenen Räumen lediglich eine Aura des Geheimnisses und der Heiligkeit, zu denen nur Eingeweihte Zugang haben (vgl. ebd.).

Auch in der Malerei, vor allem in den bekannten persischen Miniaturen, und in der Literatur ist der Garten ein häufiges Motiv.

(Abb. 12: Persische Miniatur)

In Tausendundeiner Nacht, dem Inbegriff persischer Literatur, ist der Garten ein zentraler Schauplatz der vielfältigsten Handlungen. „Am Anfang [...] stehen ein Garten und die Verletzung eines Harems” (Karahasan 2002, S. 13). Sowohl die bekannte die Rahmenerzählung als auch viele der verwobenen einzelnen Geschichten haben einen Garten als Ausgangsort der Handlung. „Alles geht vom Garten aus, dem Ursprungsort der Verwicklung, von dort aus gelangt es auf den Weg, der die Versuchung bringt, und endet im Palast, wo die abschließende Belohnung und ewige Beruhigung erfolgt” (Karahasan 2002, S.16).

 

1.5.1. Maurische Gärten in Spanien

Berühmt sind die Gärten von Granada, die in der maurischen Herrschaftszeit entstanden; so die Hofgärten der Alhambra und des Generalife. Das Gartenkreuz ist hier in den einzelnen Gartenräumen das beherrschende Gestaltungselement.

(Abb. 13: Grundriss Generalife)

Der Generalife wurde Mitte des 13. Jahrhunderts als Sommerresidenz der Sultane nahe Granada angelegt. Dieser Garten besteht aus mehreren asymmetrisch an einem Hang angeordneten Höfen, in denen sich abgeschlossene Garteneinheiten befinden, die sog. Patios.

Der Generalife wird von vielen als Urbild des arabischen Gartens empfunden, obwohl in der nachmaurischen Phase wahrscheinlich elementare Änderungen vorgenommen wurden; die zierlichen Springbrunnen und die üppige Blumenpracht stammen wahrscheinlich auch aus späterer Zeit. Ursprünglich ist der arabische Garten von mehr formaler Strenge und Reduktion auf wenige wesentliche Elemente gekennzeichnet, wie es im Löwenhof der Alhambra der Fall ist (vgl. Bazin 1990, S. 35).

(Abb. 15: Alhambra, Löwenhof)

 

1.1.2. Gärten der Mogule

Die Moguldynastie in Zentralasien und Indien beginnt im 15. Jahrhundert mit dem Kaiser Babur, einem Nachfahren des legendären Mongolenherrschers Dschingis Khan. Bevor er sein Reich nach Indien ausdehnte, residierte Babur im afghanischen Kabul. Er war ein musisch veranlagter Mensch mit großer Liebe zur Natur und Leidenschaft für die Gartenkunst, wie aus seinen Memoiren Baburname hervorgeht (vgl. Hobhouse 2003, S. 82). Über seinen Lieblingsgarten Bag-e Vafa (Garten der Treue) nahe Kabul schrieb er im Oktober 1519 in sein Tagebuch: “Der Garten war schön wie nie: die Wiesen ein einziges Kleefeld, die Granatapfelbäume in herbstlichem Gelb erstrahlend” (zit. n. ebd.). Eine Illustration im Baburname zeigt diesen Garten als ummauertes Areal, das durch sich kreuzende Wasserläufe in vier Teile unterteilt wird.

(Abb. 16: Illustration Bagh-e Vafa)

Der berühmte Tadsch Mahal von Agra wurde von Schah Dschahan für eine besonders geliebte persische Nebenfrau, die 1631 im Kindbett gestorben war, als Mausoleum erbaut. Die Anlage von Grabmal und Garten folgt einer strengen Geometrie.

(Abb. 17: Tadsch Mahal)

(Abb. 18: Plan Tasch Mahal)

„Der Mogul-Garten nimmt die Tradition des arabischen [bzw. persischen Anm. d. Verf.]Gartens auf, besonders die Einteilung in vier gleich wichtige Teile durch im Kreuz verlaufende Kanäle nach dem Prinzip der vier Zonen des Paradieses der Urzeit” (Bazin 1990, S. 45).

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Johanna Schacht | joh_schacht@web.de